Das TGW-Modell (Tatsachen - Gefühle - Wünsche) (Ein Konfliktlösungsmodell)
Theorie:
Als ich sah, hörte, merkte, dass du X machtest, sagtest, fühlte ich mich Y
und ich wünschte mir beim nächsten Mal
dass du Z versuchtest.
Als ich die ungenügende Note bei meinem Diktat erhielt, (Situation)
Hast du in die Hände geklatscht und mich ausgelacht (Tatsachen).
Das machte mich sehr traurig - aus Wut ging ich auf dich los... (Gefühle).
Ich wünschte mir, dass du mich das nächste Mal nicht mehr auslachst und weisst, dass ich mir auch Mühe gebe will... (Wunsch).
Wichtige Punkte bei der Umsetzung:
Alle Beteiligten erhalten Raum, ihre Sicht der Dinge aufzuzeigen, -> ICH-Botschaften
Eines nach dem anderen. Es wird nicht unterbrochen.
Die Wahrnehmung der Einzelnen wird belassen / es wird niemandem unterstellt, dass er oder sie lügt.
Es wird nicht zugelassen, dass Allianzen gebildet werden. ("Ich bin auch der Meinung von H." oder ähnliches...)
Es nehmen beide Parteien Stellung zu den ausgesprochenen Wünschen - manchmal müssen andere Möglichkeiten ausgehandelt werden...
Zum Schluss wird die Frage gestellt: Brauchst du von jemandem Unterstützung / Hilfe, damit du beim nächsten Mal anders handeln kannst?
Gisela Bolliger, Juli 2005
KONFLIKTE BEARBEITEN - Stop gilt!
An unserer Schule gilt vom Kindergarten bis zur 9. Klasse die «Stop gilt»-Regel.
Anfangs Schuljahr erinnern die Klassenlehrpersonen ihre Klasse daran und im Kindergarten wird die Regel eingeführt.
Zwei Schüler sind zusammen am Kämpfen. Andere Schüler und Lehrpersonen laufen daran vorbei oder bleiben kurz stehen und schauen zu – niemand greift ein. Plötzlich ruft einer der beiden laut: «STOP gilt!» - Sofort hört der andere auf - das ist das Ziel. Drei Tage später hört der andere nach dem Signal nicht auf - hier interveniert die Lehrperson klar und unmissverständlich – nimmt sie voneinander und spricht mit dem Schüler.
Ein Knabe geht auf ein Mädchen zu – von aussen sehe ich nichts Besonderes. Als er nah beim Mädchen ist, sagt sie klar und deutlich: «STOP gilt!» Der Knabe sieht sie verdutzt an – er hat ihr ja gar nichts gemacht! Er geht dann aber gleichwohl weg von ihr.
«STOP gilt!» - Wir beachten folgende Punkte:
Signal: Wir wollen von unseren Schülerinnen und Schüler ein Signal, wann es ihnen zu viel wird, wann es für sie nicht mehr geht und sie von uns Unterstützung brauchen.
«STOP gilt!» – heisst das Signal – alle benutzen genau diese Worte.
Als Lehrperson weiss ich: bei «STOP gilt!» muss ich sofort intervenieren. Wir schauen hin und übernehmen im gewünschten Moment Verantwortung. Bei massiven Vorfällen melde ich das Vorgefallene der Klassenlehrperson.
Nicht bei jedem Gegenüber gleich: Ich habe nicht bei allen Personen die gleichen Grenzen – beim einen fürchte ich mich, wenn er näher kommt, der andere kann mich anpacken und es ist für mich noch keine Gefahr.
Tagesverfassung: Die Schülerinnen und Schüler in den Beispielen hätten vielleicht an einem anderen Tag früher oder später «STOP gilt!» gesagt – wir mögen nicht jeden Tag das Gleiche ertragen.
Spassvolle Auseinandersetzung ist ok – Spass geht bis zum «STOP gilt!»
Ziel: Jedes Kind und jeder Jugendliche an unserer Schule weiss: Wenn ich «STOP gilt!» sage, wird von mir und vom anderen aufgehört – von da an handelt es sich um Gewalt - Massgebend ist immer das Empfinden des Opfers.